Irak

Mit Hand und Herz dem Trauma begegnen

Situationsreport

Der Irak leidet nach wie vor unter der anhaltenden Krise im Nahen Osten. Die andauernden Kriege in der Region, die 2025 mit dem 12-Tage-Krieg einen Höhepunkt erreichten, verunsichern die Menschen im Irak bis heute. Viele haben Jahre des Krieges miterlebt und sind erschöpft. Die irakische Regierung ist bemüht, das Land in eine gute Zukunft zu führen, sieht sich dabei jedoch grossen Herausforderungen gegenübergestellt. Investitionen in die irakische Wirtschaft erfolgen aufgrund bleibender Unsicherheit nicht in dem erhofften Masse. Bewaffnete und religiös motivierte Gruppen im Land stellen sich gegen die Regierung und behindern den Wiederaufbau.

Besonders Vertriebene und Minderheiten leiden unter der Situation im Land. Viele von ihnen harren seit 11 Jahren unter prekären Umständen aus. Sie sind aufgrund von Vertreibung, sozialem Stigma oder vergangener Kriegsverletzungen vom Einkommenserwerb ausgeschlossen und für ihre Grundversorgung auf Hilfe angewiesen. Darüber hinaus ist der Zugang zu medizinischer Versorgung in abgelegenen Regionen, wo viele Minderheiten und Vertriebene leben, sehr eingeschränkt. Ein besonderes Feld der medizinischen Versorgung ist die Behandlung von Kriegstraumata durch Psychotherapie. Kinder von vertriebenen Familien oder aus ethnischen Minderheiten leiden meist unter einem Mangel an schulischer Bildung, wodurch sie und ihre Familien kaum Chancen auf eine Verbesserung haben.

1. Überlebenshilfe für Notleidende

Leider ist die Zahl der Notleidenden im Irak weiterhin gross. Die derzeitige Krise trifft die Ärmsten am stärksten, sodass Anugerah im Jahr 2025 dieser Gruppe besonders half. Hierzu zählten Vertriebene, häufig übersehene Kriegswitwen und -waisen sowie Angehörige marginalisierter Minderheiten. Insgesamt konnte Anugerah im vergangenen Jahr 500 Haushalte regelmässig durch Hilfeverteilungen unterstützen. Darüber hinaus half Anugerah mit Einmalhilfen. Einheimische Mitarbeiter, die seit Jahren in der humanitären Hilfe aktiv sind, führten die Verteilungen durch. Aufgrund ihrer Orts- und Fachkenntnis konnten die lokalen Mitarbeiter den Notleidenden adäquat helfen und ihnen damit Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.

2. Traumabewältigung und medizinische Hilfe

Nur, wenn die Wunden der Vergangenheit richtig behandelt werden, können sie in der Gegenwart heilen und in Zukunft nicht zu weiteren Verletzungen führen. Die Kriege und die Unsicherheit der vergangenen Jahre haben bei vielen Menschen tiefe Wunden hinterlassen. Insbesondere sind die Jesidinnen zu nennen, die in den Händen von IS-Terroristen unter Vergewaltigungen, Demütigungen und Todesdrohungen litten. Hierbei erhielten sie nebst körperlichen Verletzungen auch tiefe seelische Traumata. Anugerah unterstützte im Berichtsjahr Traumakurse, in welchen über 125 Frauen und Mädchen teilnahmen. Sie lernten Techniken kennen, um mit den Traumata umzugehen. Daneben bot das lokale Team von Anugerah den Teilnehmerinnen Ausbildungskurse an. Dadurch erhielten sie die Fähigkeit, ein Einkommen zu erzielen und so zum Familienunterhalt beizutragen.

Anugerah ermöglichte neben den Traumakursen auch den Unterhalt einer fahrenden Klinik. Diese besucht in regelmässigen Abständen zehn verschiedene abgelegene Dörfer und Flüchtlingscamps. Hier gibt es anderweitig kein anderes, gutes medizinisches Angebot. Kranke können sich vom medizinischen Team kostenfrei untersuchen lassen und erhalten benötigte Medikamente.

3. Bildungsunterstützung

Der Grundstein für eine gute Zukunft ist eine gute Bildung. Genau deshalb unterstützte Anugerah im Berichtsjahr eine lokale Bildungsinitiative, die für über 450 Schüler die Schulbildung ermöglichte. Für viele verarmte Familien aus marginalisierten Minderheiten bedeutete dies, dass sie ihre Kinder nicht aus der Schule nehmen mussten. Die geförderten Schüler erhielten so eine enorme Verbesserung ihrer Zukunftsperspektiven. Mit der Unterstützung von Kindern aus Minderheiten wird die kulturelle Vielfalt des Iraks gestärkt.

Projektfazit

Die von Anugerah unterstützten Projekte im Irak verliefen auch im herausfordernden Berichtsjahr positiv. Notleidenden und Unterdrückten konnte effektiv geholfen werden. Anugerah setzt bei der Auswahl ihrer Partner bewusst auf lokale Personen, um sie zu befähigen, selbst in ihrem eigenen Land zu helfen. Dieser Ansatz hat sich auch im vergangenen Jahr bewährt. Das Herzblut der lokalen Mitarbeiter, ihre langjährige Erfahrung sowie ihre ausserordentlichen Orts- und Fachkenntnisse haben zum Erfolg der Projekte beigetragen. Eine Ermutigung für sie waren die vielen dankbaren Stimmen von Projektteilnehmern und Hilfsempfängern, die immer wieder die Wichtigkeit der Hilfe betonten. So dankt Anugerah allen Spendern, die die Hilfsprojekte durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben.